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​Sexuelle Erregbarkeit ist keine Frage des Geschlechts ​

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Grafik: M-SUR / shutterstock.com

[js] Männer denken immer nur an Sex. Ist das so? Sind sie wirklich schneller und leichter erregbar, während Frauen als vernünftiger und rationaler gelten? Betrachtet man die spontane, nicht kontrollierbare Reaktion unseres Gehirns auf erotisches Bildmaterial, so findet man keine geschlechtlichen Unterschiede.

Wissenschaftler aus der Abteilung für Physiologie kognitiver Prozesse und der Forschungsgruppe für Neuronale Konvergenz analysierten vergleichbare Daten von 61 Studien, die in verschiedenen Laboren und Ländern weltweit mit insgesamt 1.850 Probanden stattfanden. Unter den Teilnehmern gab es eine vergleichbare Verteilung der Geschlechter und ihrer sexuellen Orientierung, ebenso eine Bandbreite verschiedener Nationalitäten. 

In den Studien betrachteten die Probanden erotische Bilder und Filme, während die unmittelbare Reaktion des Gehirns mit funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRI) gemessen wurde. Die Ergebnisse belegen, dass es keine geschlechtlichen Unterschiede in den Gehirnreaktionen auf visuelle Sexualreize gibt.

Diese Studien stellen die herkömmliche Sichtweise auf das Sexualverhalten grundlegend infrage. Frühere Untersuchungen haben Unterschiede bei der sexuellen Erregung und Begierde zwischen den Geschlechtern belegt. Der vermeintliche Geschlechterunterschied in der neuronalen Verarbeitung von Sexualreizen könnte auf viele Faktoren zurückzuführen sein: Dazu gehören beispielsweise hormonelle Unterschiede, Diskrepanzen in der subjektiven Wahrnehmung der Erregung oder der sexuellen Motivationen oder einfach nur eine unzureichende Anzahl von Versuchspersonen in den Studien.

Literatur

1. Mitricheva E, et al. 2019. Neural substrates of sexual arousal are not sex dependent. Proc. Natl. Acad. Sci. USA. Jul 15. [Epub ahead of print]

 

Heft 09-2019


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