_Evidenzbasierte Therapie

​Morbus Parkinson: Virtuelle Realität versus konventionelle Physiotherapie – was verbessert Gleichgewicht und Gang mehr? ​

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In ihrer einfach verblindeten, randomisierten, kontrollierten Studie sind Forscher aus China dieser Frage auf den Grund gegangen. 28 Patienten mit Morbus Parkinson wurden zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Die Interventionsgruppe (n = 14) erhielt eine Rehabilitation mit virtueller Realität (VR), die Kontrollgruppe (n = 14) wurde mit konventioneller Physiotherapie behandelt. Vor und nach der Rehabilitation untersuchten die Forscher ihre Probanden mit folgenden Assessments: Berg Balance Scale (BBS), Timed-Up-and-Go-Test (TUGT), Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS3) und Functional Gait Assessment (FGA).

Eingeschlossen wurden Patienten zwischen 50 und 70 Jahren, die trotz Gleichgewichtsstörungen selbstständig gehfähig waren (Grad 2,5 bis 4 nach Hoehn und Yahr). Ausschlusskriterien waren unter anderem hereditäre Ataxie, Läsionen des Kleinhirns oder des Vestibularapparates, Knochen- und Gelenkerkrankungen sowie visuelle oder auditive Beeinträchtigungen. Beide Gruppen nahmen ihre regulären Medikamente während der Studiendauer ein: 16 Patienten nahmen Dopamin-Antagonisten und zwölf Patienten nahmen entweder L-Dopa oder Levodopa / Carbidopa ein.

Alle Probanden hatten denselben Physiotherapeuten, der sie über die zwölf Wochen begleitete. Die Therapie fand fünfmal pro Woche für jeweils 45 Minuten statt. Die Kontrollgruppe führte ein konventionelles Training in Anlehnung an den „Chinese Guide to Treatment of Parkinson’s Disease“ von 2014 durch. Dazu gehörten Dehnungen, Gleichgewichts-, Kraft- und Gangtraining sowie koordinative Übungen mit visuellem und auditivem Feedback zur Verbesserung der Haltungskontrolle. Übungen für die rechte und linke Körperhälfte wurden während des Gehens oder im Stand ausgeführt. Auch Wurf- und Fangübungen sowie Rhythmustraining waren Bestandteil des Programms. Die Interventionsgruppe trainierte Gleichgewicht und Gang mittels VR-Technologie. Die Patienten sollten dabei nach dem Warm-up zum Beispiel einen virtuellen Ball jeweils mit den Händen beziehungsweise Füßen berühren oder ein virtuelles Labyrinth durchqueren. Zum Schluss folgte ein Cool-down mit Dehnungen.

Beide Gruppen verbesserten sich, die VR-Rehabilitation über zwölf Wochen hatte aber einen größeren positiven Effekt auf Gleichgewicht und Gangparameter von Patienten mit Morbus Parkinson als die Behandlung mit konventioneller Physiotherapie.

Quelle: Feng H, et al. 2019. Virtual reality rehabilitation versus conventional physical therapy for improving balance and gait in Parkinson’s disease patients: a randomized controlled trial. Med. Sci. Monit. 25:4186–92 Volltext frei

Link zum Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31165721

 

Heft 09-2019


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pt_Redaktion

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